Bewertung

Während die erste Version noch den Titel „Kreuzzüge – Verschwörung im Königreich des Orients“ trug, heißt die verbesserte Version schlicht „Ritter Arthaud – Abenteuer im Heiligen Land“. Auf Grund des neuen Titels lässt sich nicht so schnell der geschichtliche Kontext der Software erschließen. Erst die Einführung im Handbuch (oder vielmehr Handbüchlein) und der Vorspann des Spieles lassen den historischen Hintergrund des Spiels deutlich werden und führen den Spieler ein. Bei der Anwendung der Software ist der Spieler dann auf sich allein gestellt, da außer den manuellen Funktionen, die im Booklet erläutert werden, keinerlei Lösungsinformationen vorhanden sind. Der hier von den Herstellern vorgesehene Ansatz des Motivationsanreizes für die Anwender kann bei ungeduldigen Schülern an einigen Stellen schnell den Frustrationsgrad erhöhen*, so dass das Spiel entweder gar nicht oder nur sehr widerwillig fortgesetzt wird.** Man kann zwar bei dem Spiel speichern, aber mangels Punktestand gibt es keinerlei Anreiz, sich zu verbessern. Trotz dieser Kritik muss hier angemerkt werden, dass durch die Rätsel und anderen Aufgaben das Spiel eindeutig aufgelockert wird und der schulische Lerncharakter kaum zum Ausdruck kommt. So helfen die Videosequenzen, die die einzelnen Etappen miteinander verbinden und die historischen Ereignisse des Spiels zu erläutern versuchen, einiges über die Zeit der Kreuzzüge und deren Ursachen und Hintergründe zu erfahren. Weiterhin ist mir positiv an dem Spiel aufgefallen, dass die Aufgaben nicht nur aus dem geschichtlichen Bereich sind, sondern auch Bereiche wie Technik, Mathematik, Wirtschaft, Geographie, Sprachen und Religionen werden mit einbezogen, so dass die Schüler auch in diesen Bereichen viel Neues lernen können.

Da „Ritter Arthaud – Abenteuer im Heiligen Land“ auf eine fiktive Geschichte basiert, werden die Kreuzzüge auf die Zeit vor dem dritten Kreuzzug reduziert. Aber anhand des QuickMove Archivs kann man sich über Zeit, Land und Leute weitergehend informieren. Manche Texte sind dabei so spannend, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, wonach man eigentlich gesucht hat: In den Texten sind nämlich weiterführende Wörter rot gelinkt, so dass man nur darauf zu klicken braucht, um ein neues Themengebiet zu eröffnen.

Das Software Produkt ist in Zusammenarbeit mit einer französischen Firma hergestellt worden. Diesen Einfluss merkt man der Software vor allem in der Namengebung und in der Aussprache an. Weiterhin ist eine sehr europäische, wenn nicht sogar christliche Sicht der Geschehnisse, die zum Teil sehr klischeehaft wirken, auffallend. Die von mir gespielte Version (es ist die erste Auflage von 2001) bestand aus drei CD-ROMs, so dass man im Spiel die CD zweimal wechseln musste. In der Zwischenzeit wird die Software auch auf DVD produziert, was den Vorteil hat, ohne CD-Wechseln spielen zu können.

Insgesamt ist das Spiel „Ritter Arthaud – Abenteuer im Heiligen Land“ ein sehr interessantes PC-Spiel, das noch manche (technische) Schwierigkeiten enthält, die aber sicher noch behoben werden können.

 

* Für einige Rätsel benötigt man Gegenstände aus dem QuickMove-Archiv. Dort können die benötigten Gegenstände einfach angeklickt werden und gelangen so in die Leiste mit Objekten/Personen, die man für den Fortgang des Spiels braucht. Diese Möglichkeit wird aber im Booklet nicht angegeben; dort steht nur lapidar geschrieben, dass man manchmal „um die Ecke denken“ muss.

** Oder, dass sich die Schüler die Lösungsmöglichkeiten im Internet besorgen. Anzumerken ist hier aber auch, dass die Lösung von Rätseln und Geschicklichkeitsaufgaben notwendig sind, um überhaupt weiterspielen zu können.